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Manchmal kommt es vor, dass Eltern ihre Kinder bei der Waldläuferbande anmelden, weil diese sich wünschen dass ihr Kind mehr Zeit Draussen verbringt. Manche Eltern eröffnen mir das ganz Hemmungslos in einem Gespräch, anderen sehe ich es an wenn sie das erste mal zur Waldläuferbande kommen.

Ein bisschen ist das ganze auch ein Tabuthema. Denn den meisten Eltern geht es mit dieser Situation, verbunden damit dass ihr Kind extrem viel Zeit vor Videospielen, Handy & Co. verbringt, nicht gut. Sie befinden sich oftmals in einer Zwickmühle. Viele Eltern arbeiten viel und lang, die Kinder sind lange in der Schule oder in Fremdbetreuung und wenn man dann am späten Nachmittag oder frühen Abend erschöpft Heim kommt, ist einfach kaum noch Energie um etwas mit dem Kind gemeinsam zu tun. Und den Haushalt gibt es ja auch noch. Und wenn wir tatsächlich freie Zeit haben, dann möchten wir als Erwachsene manchmal auch einfach nur etwas für uns tun.

So werden Fernsehen, Computer, Konsolen, Handys & Tablets einfach auch rasch zu „Ersatznannys“, denn das Kind ist eine zeitlang beschäftigt, ruhig und „sicher“. Denn wir können uns sicher sein, dass das Kind auch nach einer Stunde (oder länger) noch immer am entsprechenden Gerät zu finden ist.

Kinder brauchen jedoch einen Ausgleich zum vielen Sitzen in der Schule und haben sowieso an sich bereits einen hohen Bewegungsbedarf. Dieses Bedürfnis entlädt sich schließlich explosionsartig und sorgt dann für zusätzliche Spannungen im Familienleben, weil das Kind plötzlich laut und „wild“ wird.

Natürlich gibt es auch andere Gründe warum Kinder zuweilen nur selten Zeit in der Natur verbringen, wie Verinselung (keine Freunde in der Nähe oder insgesamt wenig soziale Kontakte), keine „Natur“ in der Nähe, Überbehütung und auch fehlende Inspiration.

Woran ich erkenne das ein Kind wenig Zeit in der Natur und/oder sehr viel Zeit an Smartphone & Co. verbringt?

Ich sehe über das Jahr hunderte Kinder und habe dadurch viel Vergleichsmöglichkeiten. Die hier aufgeführten Merkmale/Symptome sind die, die sich am häufigsten decken und meist auch alle zeitgleich zu beobachten sind:

  • motorische Unruhe,
  • schlechtes Körpergefühl, mangelnde motorische Fähigkeiten,
  • geringe Neugier, Interesselosigkeit,
  • leichte Reizbarkeit
  • unsicheres Sozialverhalten (Kontaktaufnahme mit anderen),
  • geringe Vorstellungskraft, keine Fantasie, keine Ideen,
  • mangelnde Kreativität,
  • „Gewinnen“ in starker Abhängigkeit zum Spielspaß,
  • fale, blase Haut, schatten unter den Augen,
  • versucht ständig mit anderen (auch in Form von Kontaktaufnahme) über Videospiele zu reden,
  • geringe Ausdauer (mental & körperlich) und mangelnde Konzentration

Viele der oben aufgeführten Symptome treten auch bei andere Ursachen in Erscheinung oder bedingen das Thema Natur-Defizit und erhöhter Medienkonsum zusätzlich (Soziale, Traumen, Schulsystem, etc.).

Wie gelingt es nun das Kinder mehr nach draussen gehen?

    1. Inspiriere Dein Kind durch Deine eigene Neugier!
      Das Kind orientiert sich an seinem Umfeld und an dem Weg den die engsten Vertrauten vorleben. Der beste (und zeitgleich einfachste) Weg ist, dass Du Deine eigene Neugierde für die Welt da draussen weckst und mit Begeisterung und Ehrfurcht die Natur entdeckst. Deine Kinder ziehen dann ganz einfach nach. Werde zum Lernenden und erforsche Deine Umwelt und denke daran dass es unmöglich ist alles zu wissen. Neugierde und das erleben von etwas „Neuem“ ist ein Geschenk an uns Menschen bis zu unserem letzten Atemzug! Trau Dich „Ich weiß es nicht.“ und „Lass es uns gemeinsam herausfinden!“ zu sagen wenn Du die Antwort auf eine Frage nicht kennst. Dein Kind erlebt Erwachsene dadurch authentisch und als Forscher. Das erzeugt noch mehr Neugierde! Begib Dich auf Forschungsreise wie ein Kind: unvoreingenommen, offen, neugierig, fragend.
    2. Verbringe mit Deinem Kind Draussen-Zeit ohne Ablenkungen
      Plant Euch unverplante Zeit ein. Nehmt Euch Zeit einfach draussen herum zu stromern und freudig die Inspirationen willkommen zu heißen die sich Euch eröffnen. Seid einfach draussen ohne Plan und Ziel. Das zufällig Entdecken von etwas was einen inspiriert, lässt sich nicht planen. Es geschieht einfach wenn wir mit offenen Sinnen und Herzen durch die Gegend spazieren.

      Setzt Euch zum Beispiel einfach an einen Teich, wartet und beobachtet. Vielleicht sehr ihr Frösche im Wasser oder Vögel die zum Teich kommen um Futter zu suchen oder der Wind zeigt Dir eine besonders schöne Pflanze (weil er sie hin und her wackeln lässt und Du sie dadurch erst bemerkst) oder ein Eichhörnchen springt von Baum zu Baum… wenn Du ein sehr junges Kind hast dann übergib ihm die Führung und lass Dich einfach treiben. Gemeinsam entdeckt ihr dann was unter Steinen ist, wie sich das Gras oder Matsch anfühlt. Lebendige Sinneserfahrungen sind sehr viel bedeutender als trockenes wissenschaftliches Wissen.

      Mach für die Zeit Dein Handy aus oder schalte alle Töne und Vibrationen ab damit ihr Euch ganz auf die Inspirationen einlassen und eintauchen könnt. Noch besser: lass das Gerät für die Zeit Zuhause. Die Gefahr ist einfach zu groß dass es Dich ablenkt und das wirkt sich auch auf Dein Kind aus. Das ist die große Gefahr bei diesen Dingern, sie reißen uns immer wieder aus dem Moment und damit reißen auch die Verbindungen zur Umwelt die gerade dabei waren bei Dir anzudocken.
    3. Schalte Dein Handy und das Radio beim Autofahren aus
      Wir alle verbringen heute auch sehr viel Zeit im Auto. Pendeln, Shuttle-Dienste zur Schule, Reisen…
      Elektronische Unterhaltung mag auf langen Reisen eine willkommene Ablenkung sein, sie bündelt jedoch auch unsere Aufmerksamkeit und die Entdeckungen rundherum gehen verloren. So viele Dinge gibt es (gerade in der Früh auf dem Weg zur Schule) zu entdecken, weil da oft auch viele Tier sehr aktiv sind. Rehe, Fasane, Hasen, Reiher und noch vieles mehr gibt es zu sehen wenn man aus dem Fenster schaut. Schaut Euch die Farben des Himmels an, lernt Wolkenbilder kennen und versucht während der Fahrt gemeinsam Wolken zu bestimmen.
    4. Erlaube Deinem Kind Kontakt zu anderen Erwachsenen
      Kinder brauchen Erwachsene. Jeder Mensch in jedem Alter sucht sich Vorbilder die einem helfen sich selbst zu vervollkommnen. Wir sehen in anderen Talente und Geschenke die wir anstreben und erlernen wollen. Was für Vorbilder hast Du?

      Kinder brauchen andere Kinder (in jedem Alter) und sie brauchen Erwachsene die sie inspirieren, einladen und herausfordern. Andere Erwachsenen werden zu Mentoren wenn sie die Kinder (bewusst) unterstützen ihr Potential zu entfalten. Das ist uns aller Aufgabe als Erwachsene in einer Gesellschaft! Wir müssen darauf schauen, dass wir das beste aus unseren Kindern herausholen. Als Eltern sind wir da zu wenig, dafür braucht es ein ganzes Dorf! Finde also Gemeinschaften in denen Erwachsene sich der Kinder ernsthaft annehmen. Kommt zur Waldläuferbande, geht zu den Pfadfindern oder wo ihr Euch sonst wohl fühlt.

      Weil sich viele Eltern mit ihren Kindern allein fühlen und/oder Inspiration brauchen für das hinausgehen mit den Kindern, gibt es von uns das Wilde Kinder Online-Programm in dem Familien jede Woche eine Abenteueraufgabe erhalten.


    5. Kennst Du schon die
      Wilden Kinder?

      Das Online Natur-Abenteuerprogramm der Waldläuferbande!
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    6. Sucht Euch unberührte, wilde Natur
      Sucht in Eurer Umgebung einen Ort der Euch wild und unberührt erscheint und kehrt immer wieder dahin zurück. Diese Plätze inspirieren (insbesondere die Kinder) sehr stark und es entstehen sehr schnell Spiele und Tätigkeiten (Hütte bauen, Entdecken gehen, …) ganz von selbst. Das kann ein besonderer Platz im Wald sein, ein etwas ungepflegter Park oder Garten oder verlassenes Gelände in einer Stadt. Es gibt überall „verwilderte“ Plätze.
    7. Zeit in der Natur ist keine Freizeit!
      Wir assoziieren Freizeit oft als etwas was wir haben wenn es nichts zu tun gibt. Da wir alle gern beschäftigt (und wichtig) sind, kommt diese freie Zeit inzwischen viel zu kurz. Wir müssen einfach umdenken! Zeit in der Natur ist essentiell! Da tanken wir auf, aktivieren unsere Sinne, stärken unser Immunsystem, fühlen wir uns verbunden und frei, finden Inspiration und sie weckt unsere Kreativität und Fantasie.Wenn Dir das bewusst und wichtig ist, dann gib dem die entsprechende Priorität. Für die gesunde Entwicklung Deines Kindes und für Dein persönliches Wohlbefinden!
    8. Lest gemeinsam Bücher mit Geschichten über Naturabenteuer
      Größtmögliche Stärkung von Fantasie, innerer Vorstellungskraft und Inspiration geschieht durch Geschichten! Erlebt Geschichten durch Geschichtenerzähler (Veranstaltungen, Wildniscamps, …) und durch das Lesen von tollen Büchern. Die Kinder in den Wildniscamps lieben die Storytime am Abend am Lagerfeuer. Gebannt lauschen sie alten überlieferten, lustigen oder abenteuerlichen Geschichten die sich in der Natur abspielen.

      Tolle Bücher sind die Klassiker wie Huckleberry Finns Abenteuer, Tom Sawyers Abenteuer, Robinson Crusoe, Michel aus Lönneberga, Ronja Räubertochter, Madita und noch viele mehr.

      Welchen sind Deine Lieblingsgeschichten von wilden Kindern? Schreib sie unten in die Kommentare!

    9. Legt Euch einen Garten an
      Garteln macht riesig Spaß. Kinder lieben es in der Erde zu wühlen, Pflanzen einzusetzen, zu gießen … mietet Euch einen Schrebergarten, findet Stadtgärten oder macht Euch einen kleinen Garten mit Töpfen auf dem Balkon oder in der Wohnung! Kresse, Tomaten, Radieschen, … die Beschränkung ist nur in Deinem Kopf!
    10. Nimm an Natur-Eltern-Kind-Veranstaltungen teil
      Was Kindern hilft hinaus zu gehen sind Freunde mit denen sie Abenteuer erleben können. Dafür braucht es Gleichgesinnte. Manchmal bieten Wildnisschulen, Waldläuferbanden, Waldkindergärten und Co. solche Treffen an, in denen dann die entsprechenden Freunde (nicht nur für das Kind) gefunden werden. Das gemeinsame hinaus gehen und sich immer wieder gegenseitig erinnern und einladen hilft sehr dabei dran zu bleiben.
      Aus unseren Waldwuzi-Treffen sind bspw. richtige feste Freundschaften entstanden die sich regelmäßig treffen und gemeinsam hinaus gehen oder mal die eine Familie der anderen die Kinder für eine Zeit abnimmt. Ist das nicht toll?
    11. Limitiere Medienzeit!
      Daran geht kein Weg vorbei und das wird kein leichter Weg wenn Dein Kind da schon eine Gewohnheit entwickelt hat.
      Meiner Meinung nach ist es das gesündeste mediale Zeit für Kinder stark zu reduzieren und gewisse Sachen gar nicht erst in’s Haus zu holen. Fernsehen, Computer, Konsolen, Smartphones und Tablets sind Zeitfresser und Kreativitäts-Killer. Und sie lassen in den Kindern aufgrund des Software-Designs Suchtsymptome entstehen.
      Wenn Dein Kind schonmal tobend, schreiend und körperlich aggressiv auf das eingrenzen oder verbieten von Handyzeit & Co. reagiert hat, ist das ein deutlicher Anzeiger dafür.

      Ich war früher viel lockerer und legerer mit diesem Thema und war einer jenen, die Argumentierten dass die Kinder sich „ja auskennen“ müssen und das ganze „ja nur medienpädagogisch gut begleitet werden müsse“.
      Heute sehe ich das als Humbug. Ich verteufle weder Fernsehen noch Computerspielen – Smartphones & Tablets aber schon.

      Wenn Fernsehen und Computerspielen für Euch dazugehören, Ihr aber eben mehr Naturzeit mit den entsprechenden Benefits erreichen wollt, dann geht kein Weg an einer Limitierung vorbei. Sie sind zu verlockend und zu vereinnahmend, und es erfordert viel Geduld, Geschick und einen starken Willen dem etwas entgegen zu setzen. Das gleicht auch einen Kampf gegen Windmühlen (Ob Don Quijote was dagegen ausrichten könnte?).

      Smartphone und Co haben in Kinderhänden nicht’s zu suchen. Die sind wie Zigaretten und Alkohol und daher nur etwas für Erwachsene. So sehe ich das.

      Der Anfangs schwerere, dafür aber raschere Weg ist der, all diese Geräte aus dem Haushalt zu entfernen. Sobald die Entzugserscheinungen abgeklungen sind, ist wieder Raum für eigene Ideen und Abenteuerlust.
      Aber keine Bange! Hat Dein Kind schon eine starke Gewohnheit entwickelt, wird es freilich versuchen den Konsum durch Besuch bei entsprechenden Freunden zu kompensieren. Und was dann?

      Es wird seinen Grund gehabt haben, warum der Gründer der heißbegehrtesten Smartphones & Tablets, Steve Jobs (Apple), die von seiner Firma entwickelten Geräte nicht in die Hände seiner Kinder gab..

    Was für Prioritäten setzt Du für Dich und Deine Kinder?

Über

Ich bin Gründer der Waldläuferbande (NÖ) und deren Plattform, Mentor für tiefe Natur-Verbindung, Primitiv- und Survival-Techniken und widme mich ganz dem Natur- und Kulturmentoring.

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